Werbehinweis: Affiliate-Links (*). Als Amazon-Partner, Teilnehmer am eBay Partner Network und weiterer Partnerprogramme verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

PV-Überschussladen erklärt: So kommt mehr Solarstrom ins E-Auto

PV-Überschussladen einfach erklärt: warum ein E-Auto erst ab rund 1,4 kW lädt, was die Phasenumschaltung bringt, wie Zielladen funktioniert und ob zuerst der Speicher oder das Auto laden sollte. Mit Erfahrungen aus der openWB meines Onkels.

Titelbild: KI-generiertes Symbolbild, erstellt mit ChatGPT. Die Produktfotos in den verlinkten Tests sind echte Aufnahmen.

Mittags liefert die Solaranlage mehr Strom, als das Haus braucht, und der Rest geht ins Netz. Abends kommt das Auto heim und lädt mit Strom aus dem Netz. PV-Überschussladen dreht das um: Das Auto lädt genau dann, wenn auf dem Dach Strom übrig ist. Klingt einfach, scheitert im Alltag aber oft an Details wie der Mindestladeleistung oder einem Hausspeicher, der den Überschuss zuerst schluckt.

Mein Onkel nutzt openWB seit über acht Jahren, in zwei Ausführungen. Die jüngere ist eine openWB Series2 Custom, die ich bei ihm gefilmt habe. Alle Details dazu stehen im openWB Series2 Langzeittest. Hier erkläre ich dir, wie Überschussladen technisch funktioniert, warum ein- und dreiphasiges Laden so wichtig ist, was Zielladen bringt und ob zuerst der Speicher oder das Auto laden sollte. Welche Wallbox du kaufst, wie viel Leistung sie braucht und was bei Anmeldung und Installation zu beachten ist, steht im Ratgeber Wallbox kaufen: Worauf du achten solltest.

Kurz gesagt

Beim PV-Überschussladen misst die Wallbox am Hausanschluss, wie viel Solarstrom übrig ist, und regelt den Ladestrom danach. Ein E-Auto lädt aber erst ab einer Mindestleistung: einphasig ab rund 1,4 kW, dreiphasig ab rund 4,1 kW. Eine automatische Phasenumschaltung nutzt deshalb auch die schwache Sonne am Morgen und Abend. Zielladen sorgt dafür, dass das Auto trotzdem pünktlich geladen ist. Und wer einen Hausspeicher hat, sollte festlegen, wer zuerst lädt. Laut Energieberatung der Verbraucherzentrale (Stand März 2026) ist das Laden des Autos über den Hausspeicher nicht empfehlenswert.

So funktioniert PV-Überschussladen

Überschuss ist der Strom, den deine Anlage gerade erzeugt und den im Haus niemand verbraucht. Die Wallbox oder ein Energiemanagement misst ihn dort, wo dein Haus ans Netz angeschlossen ist. Laut openWB-Dokumentation (Softwareversion 2.2.0) gilt als PV-Überschuss in den meisten Fällen die Netzeinspeisung beziehungsweise die Speicherladung. Die Ladeleistung passt sich dann laufend daran an. Die Verbraucherzentrale beschreibt das so: Solche Steuerungen können die Ladegeschwindigkeit des Autos an die momentane Leistung der PV-Anlage anpassen (Stand 24. Juli 2025).

Bei meinem Onkel hängen zwei Wechselrichter und ein Zähler am Hausanschluss an der Wallbox. Im Web-Interface sieht er live, was vom Dach kommt, was das Haus braucht, was ins Auto fließt und was noch eingespeist wird. Wichtig ist eine kleine Verzögerung: Die openWB startet nicht bei jedem Sonnenstrahl und bricht nicht bei jeder Wolke ab. Laut openWB-Dokumentation startet die Ladung erst, wenn die Einschaltschwelle eine einstellbare Zeit lang dauerhaft überschritten ist, und endet erst, wenn die Abschaltschwelle eine einstellbare Zeit lang überschritten ist. Als Beispiele nennt sie 30 Sekunden für den Start und 60 Sekunden fürs Ende.

Ladestecker steckt im E-Auto, eingeblendet der Lademodus PV-Überschuss

Wie viel das bringt, hat die HTW Berlin an 730 Haushalten mit Solaranlage und E-Auto ausgewertet (Veröffentlichung vom 28. April 2025). Verglichen mit dem Laden mit voller Leistung direkt bei der Ankunft erhöht dynamisches Überschussladen den Solaranteil an der Fahrzeugladung im Mittel um 25 Prozentpunkte.

Die Mindestladeleistung: Warum es morgens oft nicht startet

Ein E-Auto lädt nicht mit beliebig wenig Strom. Die meisten Fahrzeuge brauchen mindestens 6 Ampere je Phase, manche mehr. Die openWB-Dokumentation nennt als Beispiel einen Smart, der je nach Modell erst ab 8 Ampere lädt. Laut Verbraucherzentrale werden E-Autos aus technischen Gründen mit mindestens 1,4 kW geladen. Gerechnet mit rund 230 Volt:

Laden überRechnung bei 6 AMindestleistungBei der openWB im Test
eine Phase6 A × 230 Vrund 1,4 kWStart ab etwa 1,3 kW
drei Phasen3 × 6 A × 230 Vrund 4,1 kWab etwa 4,1 kW, bis 22 kW

Für dich heißt das: Eine Wallbox, die nur dreiphasig lädt, braucht rund 4,1 kW Überschuss, und zwar nach Abzug von allem, was im Haus gerade läuft. Morgens, abends und an trüben Tagen ist das oft nicht da. Der Strom geht dann ins Netz, obwohl das Auto in der Garage steht. Die Einschaltschwelle sollte laut openWB-Dokumentation nicht unter der minimalen Ladeleistung des Autos liegen, empfohlen werden mindestens 1,4 kW.

Ein ehrlicher Punkt dazu: Langsames Laden ist nicht verlustfrei. Laut HTW Berlin erreichen bei einer Ladeleistung von 1,4 kW im Mittel nur 76 Prozent der Solarenergie die Fahrzeugbatterie, bei 11 kW sind es 90 Prozent. Wie sehr sich kleine Ladeleistungen für dich rechnen, hängt vom Verhältnis zwischen deiner Einspeisevergütung und deinem Strompreis ab.

Phasenumschaltung: ein- oder dreiphasig, je nach Sonne

Die Lösung für das Mindestleistungs-Problem ist die automatische Phasenumschaltung. Die Wallbox wechselt dabei während der laufenden Ladung zwischen einer und drei Phasen. Bei der openWB meines Onkels startet die Ladung morgens einphasig mit rund 1,3 kW. Mittags, wenn genug Sonne da ist, schaltet die Box auf drei Phasen um, bei Wolken oder am Abend wieder zurück. Das erledigt ein Schütz in der Box, dasselbe Bauteil, das beim Start der Ladung hörbar klackt. So nutzt die Wallbox einen Bereich von 1,3 bis 22 kW. Wie das im Video aussieht, zeige ich im Langzeittest der openWB Series2.

Damit das nicht hektisch hin und her springt, gibt es in der openWB-Software laut Dokumentation eine Pufferzeit zwischen zwei automatischen Umschaltungen. Die Phasenzahl im PV-Modus stellst du auf eine Phase, Maximum oder Automatik. Voraussetzung ist, dass deine Box die Umschaltung überhaupt hat. Bei der Series2 Custom und der günstigeren SE wird sie laut Test über den Konfigurator dazugebucht.

Zwei Dinge solltest du vorher prüfen. Erstens dein Auto: Laut Verbraucherzentrale besitzen manche E-Fahrzeuge nur einen einphasigen Laderegler. Sie laden dann immer einphasig, eine Umschaltung bringt ihnen nichts. Zweitens die Einrichtung: Welche Werte für deinen Hausanschluss passen, stellt der Elektrofachbetrieb bei der Inbetriebnahme ein.

Zielladen: Solarstrom nutzen und trotzdem pünktlich losfahren

Reines Überschussladen hat einen Haken: An trüben Tagen ist das Auto morgens vielleicht nicht voll genug. Dafür gibt es Zielladen. Du gibst einen Ladestand und eine Uhrzeit vor, zum Beispiel 80 Prozent bis 7 Uhr. Bis dahin nutzt die openWB so viel Solarstrom wie möglich und zieht nur den Netzstrom, der für das Ziel wirklich nötig ist. Laut openWB-Dokumentation wird die Ladung mit Netzstrom nur gestartet, wenn es keine andere Option gibt, um das Ladeziel zu erreichen.

Die openWB meines Onkels bietet pro Ladepunkt fünf Modi, die er mit wenigen Klicks wechselt:

ModusWas passiertSinnvoll, wenn
Sofortlädt sofort mit fester Leistung, Netzstrom erlaubtdu schnell wieder losmusst
PV-Überschusslädt nur mit übrigem Solarstromdas Auto tagsüber lange steht
Zielladenerst Solarstrom, Netzstrom nur fürs Ziel bis zur Uhrzeitdu zu einer festen Zeit losfährst
Ecolädt bei PV-Überschuss oder wenn der Strompreis unter einer festgelegten Grenze liegtdu einen dynamischen Stromtarif hast
Stopplädt nicht, auch wenn das Auto angesteckt istdas Auto nur angesteckt bleiben soll
Web-Oberfläche einer Wallbox mit Energiefluss, zwei Ladepunkten und den Lademodi Sofort, PV, Zielladen, Eco und Stop

Speicher oder Auto: Wer bekommt den Überschuss zuerst?

Viele Häuser haben heute beides: einen Hausspeicher und ein E-Auto. Beide wollen denselben Überschuss. Ohne klare Regel lädt oft zuerst der Speicher. Laut evcc-Dokumentation reagieren Hausbatterien sehr schnell auf verfügbaren Überschuss, im Standardfall wird deshalb erst die Hausbatterie komplett geladen, bevor Überschuss ins Auto fließt. Die openWB-Software bietet für den PV-Modus laut Dokumentation drei Vorgaben:

  • Fahrzeuge zuerst: Der ganze Überschuss geht ins Auto. Erst wenn dessen maximale Ladeleistung erreicht ist, bekommt der Speicher den Rest.
  • Speicher zuerst: Der ganze Überschuss geht in den Speicher. Erst wenn dessen maximale Ladeleistung erreicht ist, geht der Überschuss ans Auto.
  • Mindestladestand des Speichers: Der Speicher lädt bis zu einem eingestellten Ladestand, danach fließt der Überschuss ins Auto. Ab einem eingestellten Höchststand des Speichers kann zusätzlich eine erlaubte Entladeleistung ins Auto gehen.

Was spricht wofür? Die Energieberatung der Verbraucherzentrale schreibt (Stand März 2026), das Laden eines Elektroautos über den Batteriespeicher sei nicht empfehlenswert, weil der Heimspeicher nur für den regelmäßigen Stromverbrauch im Haushalt dimensioniert ist. Die HTW Berlin kommt zu einem ähnlichen Bild: Ein Heimspeicher erhöht den Solaranteil an der Fahrzeugladung im Mittel nur um 9 Prozentpunkte, bei drei Vierteln der Haushalte um weniger als 15 Prozentpunkte. Als Faustregel heißt das: Das Auto lädt tagsüber direkt aus dem Überschuss, der Speicher versorgt abends und nachts das Haus. Die Einstellung mit Mindestladestand ist ein guter Mittelweg, wenn der Speicher abends nicht leer sein soll. Wer erst noch einen Speicher nachrüsten will, findet Kopplung, Größe und Anmeldung im Ratgeber Stromspeicher nachrüsten.

Bei meinem Onkel steht zusätzlich ein Zendure SolarFlow 2400 AC+ mit fünf Zusatzakkus im Keller. Morgens, bevor die Sonne wieder lädt, ist der Akku nach seiner Erfahrung meist noch zu 75 bis 80 Prozent voll. Im März lag sein Eigenverbrauch bei 99,9 Prozent, dazu trägt allerdings auch das E-Auto bei, das mit Solarstrom lädt. Wie der Speicher arbeitet, steht im Zendure SolarFlow 2400 AC+ Test.

Hausspeicher mit gestapelten Zusatzakkus im Keller neben dem Wechselrichter der Solaranlage

Was du für PV-Überschussladen brauchst

  • Eine Solaranlage mit echtem Überschuss. Je größer die Anlage, desto mehr Solarstrom landet im Auto. Laut HTW Berlin decken Anlagen mit 5 bis 10 kW im Mittel 46 Prozent des Fahrzeugbedarfs, Anlagen mit 15 bis 20 kW 62 Prozent (bei 10.000 bis 15.000 Kilometern im Jahr).
  • Eine Messung am Hausanschluss. Ohne sie weiß die Wallbox nicht, wie viel übrig ist. Bei der openWB meines Onkels übernimmt das ein Zähler am Hausanschluss, die Wechselrichter sind zusätzlich angebunden.
  • Eine Wallbox oder ein Energiemanagement mit Überschussfunktion. Laut HTW Berlin heißt die Funktion je nach Hersteller oft „Eco“ oder „Solar Pure“.
  • Eine Phasenumschaltung, wenn dein Auto dreiphasig lädt. Sonst bleibt der schwache Morgen- und Abendertrag ungenutzt.
  • Eine Regel für den Speicher, falls du einen hast: Auto zuerst, Speicher zuerst oder Mindestladestand.
  • Regelmäßiges Anstecken. Die HTW Berlin empfiehlt, das Auto regelmäßig an die Wallbox anzuschließen und mit Überschuss zu laden.
  • Einen Elektrofachbetrieb für Installation, Anmeldung und Einrichtung. Was dabei zu klären ist, steht im Wallbox-Ratgeber.

Mein Fazit

PV-Überschussladen ist kein Schalter, den man umlegt, sondern ein Zusammenspiel aus Messung, Mindestleistung, Phasen und Prioritäten. Die drei wichtigsten Stellschrauben sind die Phasenumschaltung für schwache Sonne, Zielladen für den Alltag und eine klare Regel, ob Speicher oder Auto zuerst laden. Mein Onkel lädt seit über acht Jahren mit openWB und PV-Überschuss, ohne dass er ständig eingreifen muss. Wie die Series2 Custom im Detail arbeitet, zeige ich im openWB Series2 Custom Langzeittest.

Häufige Fragen zum PV-Überschussladen

Was ist PV-Überschussladen?

Die Wallbox misst am Hausanschluss, wie viel Solarstrom gerade übrig ist, und lädt das E-Auto nur mit diesem Überschuss. Die Ladeleistung passt sich laufend an die Sonne an. So landet Strom im Auto, der sonst ins Netz eingespeist würde.

Ab wie viel Überschuss lädt ein E-Auto?

Die meisten Autos brauchen mindestens 6 Ampere je Phase. Einphasig sind das rund 1,4 kW, dreiphasig rund 4,1 kW. Manche Fahrzeuge brauchen mehr, die openWB-Dokumentation nennt als Beispiel einen Smart, der je nach Modell 8 Ampere braucht.

Brauche ich für Überschussladen eine Phasenumschaltung?

Wenn dein Auto dreiphasig lädt, ist sie sehr hilfreich. Ohne Umschaltung startet die Ladung erst ab rund 4,1 kW Überschuss, mit Umschaltung schon ab rund 1,4 kW einphasig. Lädt dein Auto ohnehin nur einphasig, bringt die Umschaltung nichts.

Soll zuerst der Hausspeicher oder das E-Auto geladen werden?

Laut Energieberatung der Verbraucherzentrale (Stand März 2026) ist das Laden des Autos über den Hausspeicher nicht empfehlenswert, weil der Heimspeicher nur für den regelmäßigen Stromverbrauch im Haushalt dimensioniert ist. Daraus ergibt sich als Faustregel: Auto tagsüber direkt aus dem Überschuss, Speicher für Abend und Nacht. Viele Systeme erlauben auch einen Mindestladestand für den Speicher.

Was ist Zielladen bei einer Wallbox?

Du gibst einen Ladestand und eine Uhrzeit vor, etwa 80 Prozent bis 7 Uhr. Die Wallbox nutzt bis dahin so viel Solarstrom wie möglich und lädt nur das mit Netzstrom nach, was für das Ziel fehlt.

Kann jede Wallbox mit PV-Überschuss laden?

Nein. Die Wallbox braucht eine Überschussfunktion oder ein Energiemanagement und eine Messung am Hausanschluss. Die Funktion heißt je nach Hersteller oft Eco, Solar Pure oder PV-Modus. Installation und Einrichtung übernimmt ein Elektrofachbetrieb.

Weitere Ratgeber

Timo Kirschhausen
Timo Kirschhausen

Verantwortlich für die Inhalte auf 4-Happy-Home.

Artikel: 202