OpenWB Series2 im Langzeittest: Warum diese Wallbox für mich zu den smartesten Lösungen überhaupt gehört

6,9 kW fließen ins Auto und zwar direkt vom Dach. Keine App geöffnet, kein Knopf gedrückt, kein manuelles Eingreifen. Genau so soll intelligentes Laden funktionieren. Und genau an diesem Punkt zeigt die OpenWB Series2, warum sie für viele als eine der smartesten Wallboxen auf dem Markt gilt.

Diese Wallbox wird seit über acht Jahren im Alltag genutzt. In dieser Zeit lief sie zuverlässig, wurde kontinuierlich per Update verbessert und ist durch ihre offene Software heute immer noch aktueller als viele geschlossene Systeme, die nach kurzer Zeit technisch stehen bleiben. Wenn Du Solarstrom effizient ins Auto bekommen willst, Wert auf lokale Steuerung legst und gerne verstehst, was technisch wirklich passiert, dann ist die OpenWB Series2 ein extrem spannendes System.

Ich zeige Dir hier nicht nur die Funktionen, sondern auch, wie sie im Alltag zusammenspielen: vom PV-Überschussladen über die automatische Phasenumschaltung bis hin zur Integration in Home Assistant.

Was die OpenWB Series2 grundsätzlich ausmacht

Die hier eingesetzte Variante ist die OpenWB Series2 Custom als 22-kW-Wallbox mit Typ-2-Stecker. In der Box stecken ein MID-geeichter Zähler, ein Raspberry Pi als Steuerzentrale und eine komplett Open-Source-basierte Software.

Das klingt erstmal technisch, hat im Alltag aber ganz konkrete Vorteile:

  • Updates per One-Click über das Web-Interface
  • Lokaler Betrieb ohne Cloud-Zwang
  • Hohe Transparenz bei Daten, Konfiguration und Energieflüssen
  • Flexible Erweiterbarkeit für PV, Hausanschluss, Auswertungen und Smart Home

Ein Punkt, den viele sehr schätzen: Die OpenWB Series2 ist keine Blackbox. Man hat nicht das Gefühl, irgendein versiegeltes Gerät an der Wand zu haben, das im Hintergrund irgendetwas macht. Stattdessen versteht man, wie die Wallbox arbeitet, und kann bei Bedarf tief einsteigen.

OpenWB Series2 Wallbox mit der Aufschrift openWB die modulare Wallbox
Die Front der OpenWB Series2 an der Wand – eine modulare Wallbox, die im Blog als Grundlage für die smarte PV-Logik vorgestellt wird.

So startet der Ladevorgang im Alltag

Der eigentliche Ablauf wirkt völlig unspektakulär und genau das ist die Stärke. Stecker aus der Halterung, ins Auto einstecken, fertig.

Die Wallbox erkennt das Fahrzeug, prüft die Kommunikation, handelt die zulässige Ladeleistung aus und schaut dann, welcher Modus aktiv ist. Wenn PV-Überschussladen eingestellt ist, beginnt sie nicht sofort blind mit dem Laden, sondern wartet auf ausreichend Solarleistung.

Dabei arbeitet sie bewusst mit einer Verzögerung. Das ist wichtig, damit nicht bei jedem kleinen Sonnenstrahl sofort geladen und bei der nächsten Wolke wieder unterbrochen wird. Diese Logik macht im Alltag einen riesigen Unterschied, weil das System ruhig und sinnvoll reagiert statt hektisch hin und her zu schalten.

Wenn die Bedingungen passen, schließt das Schütz hörbar und der Strom fließt.

OpenWB Series2 im Modus PV-Überschuss am Ladepunkt (Statusanzeige im Bild)
Modus „PV-Überschuss“: Das System erkennt die Situation und lässt den Strom nur dann fließen, wenn die Solarleistung passt.

Ein Blick ins Innere: Technik zum Anfassen statt Blackbox

Öffnet man die Wallbox, wird schnell klar, warum die OpenWB Series2 bei Technikfans so beliebt ist. Der Aufbau ist nachvollziehbar und sinnvoll gegliedert.

Oben: Absicherung, Versorgung und Messung

Im oberen Bereich sitzt ein Leitungsschutzschalter mit 6 A für die Steuerelektronik. Daneben befindet sich das Netzteil für den 5-Volt-Kreis. Rechts davon arbeitet der MID-geeichte Stromzähler von Eastron.

Dieser Zähler ist mehr als nur ein nettes Extra. Er misst jede Kilowattstunde, die durch die Wallbox fließt, eichrechtskonform. Das ist vor allem dann relevant, wenn Du Ladevorgänge sauber dokumentieren oder zum Beispiel dienstlich abrechnen möchtest.

Unten: Das Gehirn der OpenWB Series2

Im unteren Bereich sitzt der Raspberry Pi 3 Model B. Darauf läuft die komplette OpenWB-Software. Der Pi kommuniziert über einen USB-RS485-Adapter per Modbus mit dem Stromzähler und den Wechselrichtern im Haus.

Genau diese Architektur macht die Box so flexibel. Die Wallbox lädt eben nicht einfach nur ein Auto, sondern bezieht aktiv Daten aus dem gesamten Energiesystem des Hauses ein.

Sicherheit gehört natürlich dazu

Für die elektrische Sicherheit ist ein FI-Schutzschalter Typ B verbaut. Der ist bei E-Auto-Ladung wichtig, weil er auch DC-Fehlerströme erkennt. Zusätzlich sitzt ein ABB-Schütz in der Box, das die Ladung physisch schaltet. Dieses Schütz ist auch das hörbare Klacken, das man beim Starten des Ladevorgangs wahrnimmt.

Eastron Stromzähler in der OpenWB Series2 mit deutlich sichtbarem Display
Der Eastron-Zähler ist klar zu erkennen – daneben die zugehörigen Schalt- und Messbausteine. Diese Technik liefert die Datenbasis für die Live-Energieanzeige im Web-Interface.

Die Live-Ansicht: Sofort sehen, wohin die Energie fließt

Sehr gelungen finde ich die mobile Ansicht des Web-Interfaces, die im Alltag oft einfach als App genutzt wird. Hier sieht man live, was gerade passiert.

In der gezeigten Situation ist Ladepunkt 1 frei und Ladepunkt 2 lädt mit 6,9 kW im PV-Modus. Im Energiekreis rundherum lässt sich der aktuelle Energiefluss direkt ablesen:

  • PV-Produktion: 10,7 kW
  • Davon ins Auto: 6,9 kW
  • Hausverbrauch: 278 W
  • Einspeisung ins Netz: 3,5 kW

So eine Darstellung ist nicht nur hübsch, sondern praktisch. Du siehst auf einen Blick, ob das Auto gerade wirklich mit Solarstrom geladen wird, wie viel Überschuss vorhanden ist und ob irgendwo noch Potenzial verloren geht.

In diesem Fall lädt der Audi mit 29,7 A auf einer Phase, also fast 7 kW einphasig. Und genau damit sind wir bei dem Feature, das die OpenWB Series2 für mich besonders stark macht.

Smartphone mit OpenWB-Ansicht: Ladepunkt 2 lädt im PV-Modus mit 6,9 kW
Am Live-Display sieht man sofort: Ladepunkt 2 läuft gerade im PV-Modus mit rund 6,9 kW – und der Energiekreis zeigt den aktuellen Zusammenspiel von Sonne und Hausverbrauch.

Das Killer-Feature der OpenWB Series2: automatische Phasenumschaltung

Wer mit PV laden will, stößt schnell auf ein Grundproblem: Eine Solaranlage liefert nicht konstant die gleiche Leistung. Morgens und abends ist wenig da, mittags oft deutlich mehr. Eine Wallbox muss damit intelligent umgehen können.

Grundsätzlich gilt:

  • Einphasiges Laden: etwa 1,3 kW bis rund 7,2 kW
  • Dreiphasiges Laden: startet erst ab etwa 4,1 kW, dafür bis 22 kW möglich

Genau hier scheitern viele einfache Lösungen. Eine rein dreiphasige Wallbox kann bei geringer PV-Leistung morgens oft noch gar nicht laden. Alles unterhalb der notwendigen Mindestleistung bleibt ungenutzt.

Die OpenWB Series2 löst das elegant, indem sie während der laufenden Ladung automatisch zwischen einer und drei Phasen umschalten kann.

Das bedeutet konkret:

  • Am Morgen startet die Ladung schon mit etwa 1,3 kW einphasig
  • Wenn mittags genug Solarleistung verfügbar ist, schaltet die Box auf dreiphasiges Laden um
  • So kann sie den verfügbaren PV-Ertrag über einen sehr großen Bereich nutzen

Physisch umgesetzt wird diese Umschaltung über das Schütz in der Box. Das Ergebnis ist enorm wertvoll: Statt erst bei hoher Leistung zu starten, arbeitet die Wallbox praktisch durchgängig mit dem, was die Anlage gerade hergibt. Der nutzbare Bereich reicht damit von 1,3 bis 22 kW.

Wenn Du Solarstrom wirklich maximal ins Auto bringen willst, ist genau das eines der wichtigsten Kriterien überhaupt.

Illustration der openWB dynamischen Phasenumschaltung von 1 auf 3 Phasen (1,3 bis 22 kW)
Grafik zur automatischen Phasenumschaltung: morgens einphasig starten (1,3–7,2 kW), mittags auf drei Phasen wechseln (4,1–22 kW) und bei weniger PV wieder zurückschalten.

Web-Interface: Hier zeigt die OpenWB Series2 ihre ganze Stärke

Hinter der mobilen Ansicht steckt ein vollständiges Web-Interface. Hier wird konfiguriert, überwacht und ausgewertet. Und zwar nicht halbherzig, sondern so, dass man wirklich Kontrolle über das Gesamtsystem bekommt.

Statusseite und Geräteübersicht

Auf der Statusseite werden alle eingebundenen Komponenten angezeigt. In diesem Setup sind das:

  • beide Ladepunkte
  • zwei SolarEdge-Wechselrichter
  • das EVU-Kit am Hausanschluss

Wenn alles grün markiert ist, kommunizieren alle Komponenten sauber miteinander. Das ist im Alltag beruhigend, weil man sofort erkennt, ob die Datenbasis für das intelligente Laden vollständig vorhanden ist.

Lademodi pro Ladepunkt

Besonders praktisch ist, dass sich pro Ladepunkt verschiedene Modi direkt auswählen lassen:

  • Sofort
  • PV-Überschuss
  • Zielladen
  • Eco
  • Stopp

Gerade Zielladen ist im Alltag sehr stark. Wenn Du zum Beispiel vorgibst, dass das Auto bis 7 Uhr morgens auf 80 Prozent geladen sein soll, nutzt die Wallbox bis dahin so viel PV wie möglich und zieht nur den Netzstrom, der wirklich nötig ist, um das Ziel rechtzeitig zu erreichen.

Das ist ein sehr schöner Mittelweg zwischen maximaler Eigenverbrauchsoptimierung und praktischer Alltagstauglichkeit.

OpenWB Series2 Web-Interface mit aktueller Leistung und Energieflüssen im PV-Modus
Im Web-Interface siehst Du live, wie viel Leistung gerade ins Auto fließt und wie sich der PV-Überschuss dabei verhält.

Auswertungen und Ladeprotokolle: Jede Kilowattstunde nachvollziehbar

Ein Bereich, den viele erst dann wirklich zu schätzen lernen, wenn sie ihn regelmäßig nutzen, sind die Auswertungen.

Im Status bekommst Du eine Gesamtübersicht über alle installierten Komponenten mit Live-Daten. Im Ladeprotokoll steht dann jede einzelne Ladung mit:

  • Dauer
  • Kosten
  • Fahrzeug
  • gewähltem Modus

Besonders hilfreich ist der farbige Balken, der direkt zeigt, wie viel Energie aus der Sonne und wie viel aus dem Netz kam. Damit wird die Qualität des Ladevorgangs sofort sichtbar.

Außerdem lassen sich die Daten als CSV exportieren. Für Dienstwagenabrechnungen oder eine saubere Dokumentation ist das Gold wert.

OpenWB Ladeprotokoll mit Liste der Ladevorgänge, Kosten, Modus und Energieauswertung
Im Ladeprotokoll werden die einzelnen Ladevorgänge mit Dauer, Kosten, Modus und Energieaufteilung übersichtlich gelistet – genau dafür ist die OpenWB so praktisch.

Smart Home und Home Assistant: genau der Punkt, an dem die OpenWB Series2 richtig spannend wird

Wenn Du ein Smart Home nutzt, wird die OpenWB Series2 noch interessanter. Die Wallbox stellt ihre Daten per MQTT im lokalen Netzwerk bereit. Damit lassen sich Energieflüsse, Ladezustände und Leistungswerte in Systeme wie Home Assistant integrieren.

Im Energiedashboard von Home Assistant kann dann der komplette Haushalt in einem Bild zusammenlaufen:

  • Netzbezug
  • PV-Leistung
  • Batterie
  • Hausverbrauch
  • beide Ladepunkte

Der große Vorteil: Jeder einzelne Wert kommt direkt aus der OpenWB. Klickt man auf einen Wert wie die PV-Leistung, lässt sich der Verlauf der letzten Stunden öffnen. Noch ein Klick, und man sieht komplette Tage mit Sonnenaufgang, Leistungspeak um die Mittagszeit, Wolkenphasen und Sonnenuntergang. Sehr detailliert, sehr transparent und für eigene Automationen extrem hilfreich.

Genau hier merkt man, dass die Box nicht nur für bequemes Laden gedacht ist, sondern auch für Menschen, die ihr Energiesystem wirklich verstehen und optimieren wollen.

Home-Assistant Dashboard mit OpenWB-Verlaufsmessung: PV-Leistung und Batterie-/Verbrauchswerte
Beim Blick ins Dashboard wird’s richtig anschaulich: Die OpenWB liefert nicht nur Momentwerte, sondern auch Verlaufsdaten, die Du direkt in Home Assistant einsehen kannst.

Welches Modell passt besser: OpenWB Series2 Custom oder OpenWB SE?

Neben der gezeigten OpenWB Series2 Custom gibt es auch die OpenWB SE als günstigeren Einstieg.

OpenWB Series2 Custom

  • bis zu 22 kW Ladeleistung
  • MID-geeichter Zähler serienmäßig
  • über den Konfigurator individuell ausstattbar
  • optional mit Phasenumschaltung, Touchdisplay, RFID-Leser und sogar zweitem Ladepunkt im selben Gehäuse

OpenWB SE

  • maximal 11 kW
  • gleiche Software
  • gleiche PV-Logik
  • Phasenumschaltung optional zubuchbar
  • kein Upgrade auf 22 kW möglich

Die Entscheidung ist deshalb ziemlich klar:

  • Wenn Du Dir langfristig Spielraum offenhalten willst, nimm die OpenWB Series2.
  • Wenn Du sicher weißt, dass 11 kW ausreichen, bekommst Du mit der SE trotzdem die volle OpenWB-Intelligenz.
Produktseite OpenWB SE 11 kW im Konfigurator mit auswählbaren Optionen
Vergleich in der Modellübersicht: Die OpenWB SE ist als günstigere Variante (11 kW) gegenüber der Series2 Custom dargestellt.

Wie sich die OpenWB Series2 im Alltag anfühlt

Am Ende ist eine Wallbox dann gut, wenn sie im Alltag nicht nervt. Und genau das gelingt hier sehr gut. Der Ablauf bleibt banal einfach: Stecker rein, laden lassen, Stecker raus, Kabel wieder zurück in die Halterung.

Die eigentliche Intelligenz läuft im Hintergrund. Man muss nicht ständig optimieren, aber man kann es jederzeit tun. Das ist für mich die richtige Balance.

Für Einsteiger ist die Bedienung angenehm einfach, weil sich die Lademodi mit wenigen Klicks umstellen lassen. Für Technikaffine steckt gleichzeitig extrem viel Tiefe im System. Man kann Daten analysieren, Logiken verstehen, gezielt Modi wählen und eigene Automationen aufbauen.

Elektronik-Board und Verkabelung der OpenWB Series2 Custom im Gehäuse
Blick ins Innere: Die OpenWB Series2 Custom arbeitet mit einer klar nachvollziehbaren Elektronik und Sensorik – genau das macht sie für mich so überzeugend.

Mein Fazit zur OpenWB Series2 

Die OpenWB Series2 ist für mich eine der umfangreichsten und durchdachtesten Wallboxen, die man aktuell bekommen kann. Nicht nur wegen einzelner Features, sondern weil das Gesamtpaket stimmt.

Was sie besonders stark macht:

  • PV-Überschussladen mit echter Intelligenz
  • automatische Phasenumschaltung für maximale Solarnutzung
  • lokaler Betrieb ohne Cloud-Zwang
  • Open-Source-Software mit kontinuierlichen Updates
  • saubere Auswertungen und Ladeprotokolle
  • starke Integration in Home Assistant
  • sehr viel Kontrolle für alle, die tiefer einsteigen wollen

Wenn Du einfach nur irgendeine Wallbox suchst, die Strom ins Auto schiebt, gibt es natürlich auch simplere Lösungen. Wenn Du aber Solarstrom wirklich effizient ins Auto bringen, jede geladene Kilowattstunde nachvollziehen und Dein Setup bei Bedarf ins Smart Home integrieren willst, dann ist die OpenWB Series2 eine der spannendsten Optionen am Markt.

Genau deshalb macht sie auch nach vielen Jahren Nutzung immer noch Spaß. Sie ist nicht nur funktional, sondern durchdacht. Und sie wächst durch Updates weiter mit, statt technisch zu altern.

Zusammengefasst

Wenn ich die wichtigsten Punkte auf den Punkt bringen müsste, dann diese:

  • Die OpenWB Series2 lädt lokal, offen und ohne Cloud-Zwang.
  • Sie nutzt PV-Strom durch automatische Phasenumschaltung deutlich effizienter.
  • Sie bietet sehr gute Transparenz bei Energieflüssen, Kosten und Ladehistorie.
  • Sie ist sowohl einfach bedienbar als auch extrem tief konfigurierbar.
  • Für Home-Assistant-Nutzer und Technikfans ist sie besonders interessant.

Falls Du selbst schon Erfahrungen mit der OpenWB gemacht hast oder noch Fragen zu bestimmten Funktionen hast, schreib sie mir gerne per Kontaktformular.

Danke fürs Lesen und viel Spaß mit Deiner neuen Wallbox. Alles Gute!

Timo Kirschhausen
Timo Kirschhausen

Verantwortlich für die Inhalte auf 4-Happy-Home.

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